Bericht
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Historischer Bericht

Wir gedenken der Toten, die ihres Lebens beraubt wurden durch Kämpfe jeder Art, weil der Hass in der Welt stärker war als die Liebe.

Ruvim Bakmann, ein jüdischer Zeitzeuge sagte auf dem "Marsch des Lebens" in Leubsdorf:
"Ich habe heute noch Albträume, sehe meine Schwestern vor mir, wie sie erschossen wurden. Aber, das ich anderen hier vergeben kann - dafür bin ich den Organisatoren ausgesprochen dankbar."


Bozenna, eine Polin berichtet:
"Das Arbeitslager befand sich zwischen dem Chemnitzer Hbf und einer Munitionsfabrik, wo die Gefangenen arbeiten mussten. Mein Vater lud tagsüber Torpedos auf Lastwagen, die die Waffen dann zu den nahegelegenen Eisenbahnwaggons brachten. Mutter arbeitete nachts in derselben Fabrik, deswegen hatten wir als Familie kaum Zeit füreinander. Es war verboten, aus den Fenstern der Baracken auf den Bahnhof zu schauen. Sollten wir es doch tun, drohten die Wachen, uns zu erschießen."

In den Baracken schliefen sie auf Strohsäcke in Doppelstockbetten. Es gab keine Möbel, keine Toiletten. Sie mussten die nahegelegene Gemeinschaftslatrine benutzen, die keinerlei Privatsphäre bot. Keiner durfte das Gelände verlassen. Sie vergaß nie, wie sie als kleines Mädchen wie ein Hund nach Essensresten suchte - voller Angst, entdeckt zu werden - bis zu den Knien im Müll stehend, während andere in einem wunderschönem Haus mit einem Kronleuchter lebten. (Villa an dem Blankenauer Grund: Unternehmen Familie Trübsbach).

(Quelle: "Verlorene Kindheit" Inge Auerbacher und Bozenna Urbanowicz Gilbride)


Im Bereich des Chemnitzer Arbeitsamtsbezirkes waren allein im Herbst 1944 etwa 31 000 Zwangsarbeiter eingesetzt, mehr als 20 000 direkt in der Stadt. Bis Kriegsende waren etwa 2,75 Millionen "Ostarbeiter" im Reich beschäftigt. Als "Arbeitsjuden" wurden jene Menschen bezeichnet, deren Arbeitskraft vor ihrer Deportation in die Vernichtungslager des Ostens noch ausgebeutet werden sollte; es waren oft sinnlose, erniedrigende, demütigende Arbeiten. In der Beleuchtungskörper - und Metallwarenfabrik "E.F.Barthel" war auch der 17jährige Justin Sonder untergebracht, bevor er nach Auschwitz verschleppt wurde.

Neben der Auto Union AG gehörte die Deutsche Reichsbahn zu den Großunternehmen, die die meisten Zwangsarbeiter beschäftigt hatten. "Entrechtet und entseelt, Hunger und Elend und dem brutalsten Terror überantwortet", das war das Leben der Zwangsarbeiter.

In der Nacht vom 12. zum 13. April 1945 marschierten die Häftlinge unter strenger Bewachung durch Chemnitz zum Güterbahnhof Hilbersdorf. Am 14. April 1945 fuhren sie in zehn vollkommen verschlossenen Güterwagen nach Leitmeritz (Litomerice). Sie standen in diesem Güterzug einen ganzen Tag und eine ganze Nacht auf dem Güterbahnhof Hilbersdorf. Es gab weder Sitzgelegenheiten noch Stroh. Sie waren so eng eingepfercht, dass sie sich während der ganzen Fahrt nicht legen konnten. Von Leitmeritz marschierten sie zu Fuß nach Hertine, wo sie bis zur Befreiung in einer Munitionsfabrik arbeiten mussten. Dort gab es Vergiftungen teilweise mit tödlichen Ausgang.

Am 22. Februar führte der Todesmarsch der fast 1000 jüdischen Frauen des Außenlagers des KZ Groß - Rosen am hellerlichten Tag durch Chemnitz. Die SS - Wachmannschaften befahlen unter Schießandrohung die Fenster zu schließen.

Eine Frau bekam im Straßengraben ein Kind. Zuerst wurde das Baby vor den Augen der Mutter getötet und dann tötete man die Mutter.

Durst und Hunger, völlige Entkräftung. Ein Jude trank aus einer Pfütze. Darauf schlug man ihn mit dem Gewehrkolben.

Leider hielten viele Kirchen und Gemeinden an dem Leitspruch fest: "Mit Luther und Hitler für Glaube und Volkstum!" Landesbischof Friedrich Coch trat mit anderen Pfarrern in SA Uniform in der Schloßkirche auf. Mit wehenden Fahnen und das Horst - Wessel - Lied gesungen, mit hochgestrecktem Arm waren viele Pfarrer bereit, das Alte Testament abzuschaffen wegen seines jüdischen Charakters.

Doch einige Pfarrer gründeten den Pfarrernotbund - dem Vorbote der Bekennenden Kirche, wo Pf. Martin Niemöller der Leiter war und Hugo Hahn eine wichtige Rolle spielte.

Dietrich Bonhoeffer hat 1933 in seinem Aufsatz über "Die Kirche vor der Judenfrage" gemahnt, dass eine Kirche, die nicht aktiv zu jüdischem Leben steht, aufhört, Kirche Jesu zu sein.

(Quelle: "Kriegsendphasen VERBRECHEN der Nazis 1945 in Chemnitz", Zusammengestellt von Irmtraud Pötzsch, als pdf zu lesen)
 

Häftlinge auf dem Todesmarsch

Ich möchte daran erinnern, dass es einen tief verwurzelten Antisemitismus gibt, der wie eine negative Saat verborgen in unserer westlichen Kultur und unserem Denken eingepflanzt ist, so dass er immer wieder aufbrechen kann. Viele relativieren den Holocaust oder sie leugnen das Existenzrecht Israels. Gleichgültigkeit und Passivität sind tief in unsere Gemeinden eingedrungen. Beides sind Kennzeichen eines "genetischen Defekts", den das Christentum seit der Trennung von seinen jüdischen Wurzeln in sich trägt. Die Vollmacht der Gemeinde kann nur mit einem klaren Bekenntnis zur Schuld der Christen gegenüber dem jüdischen Volk und dem offenen Bekenntnis zu unserem hebräischen Erbe zurückgewonnen werden.

(Quelle: "Decke des Schweigens", Jobst Bittner, Seite 29)


Kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs sollten die Spuren der Konzentrationslager verwischt werden. Die Lager wurden aufgelöst. Die entkräfteten Insassen wurden gezwungen, wochenlang durch die Straßen Deutschlands zu marschieren. 250 000 Menschen kamen noch in den letzten fünf Monaten vor Kriegsende durch diese Todesmärsche vor den Augen der Zivilbevölkerung ums Leben. Zehntausende waren direkt als Helfer oder indirekt als Zuschauer beteiligt. Dies war ein grausamer Höhepunkt des Holocaust. Der "Marsch des Lebens" ist ein lebendiges Zeichen, dass Fluch in Segen und Finsternis in Licht verwandelt werden kann. Sein Bekenntnis ist wie ein unüberhörbares Signal, dass Christen den Gen-Defekt des Schweigens gegenüber Israel und dem jüdischen Volk überwunden haben.

(Quelle: "Decke des Schweigens", Jobst Bittner, Seite 31)